Hallo ich bin Marc,als ich mit dem Gedanken spielte, eine Privatpilotenlizenz zu machen, hatte ich mit der Fliegerei eigentlich keinerlei Berührungspunkte. Flugzeuge kannte ich nur aus der Perspektive eines Passagiers im Reiseflugzeug. Dazu kam etwas, das auf den ersten Blick nicht unbedingt zu einer Pilotenausbildung passt: Ich hatte Höhenangst. Schon bei Achterbahnen, die hoch hinausfahren, musste ich mich überwinden. Und trotzdem war da dieser Gedanke: Wie fühlt es sich an, selbst zu fliegen? Ein Flugzeug zu steuern? Die Welt von oben zu sehen? Frei zu sein? Bevor ich mich endgültig für die Ausbildung entschied, machte ich drei Schnupperflüge. Der erste davon war ehrlich gesagt alles andere als entspannt. Das Wetter war nicht ideal, es gab leichte Turbulenzen, vereinzelte Schauer und dann natürlich noch meine Höhenangst. Nach der Landung war ich kreidebleich. Und trotzdem war da neben der Angst noch etwas anderes: Faszination.
Denn trotz aller Nervosität war dieses Gefühl unbeschreiblich. Sich in ein Flugzeug zu setzen, abzuheben und die Welt von oben zu erleben – ohne Stau, ohne vorgegebene Straßen, mit einer Aussicht, die kein Foto wirklich wiedergeben kann. Dieser erste Flug hat mich noch Tage beschäftigt. Die Geschwindigkeit, die Querneigung, das Steigen und Sinken, der Blick nach draußen – all diese Eindrücke musste ich erst einmal verarbeiten.
Meine beiden nächsten Schnupperflüge absolvierte ich beim Aero-Club Saarlouis. Beim zweiten Flug war ich schon etwas ruhiger. Meine Gesichtsfarbe war nicht mehr ganz so blass, auch wenn das bekannte Gefühl der Unsicherheit beim Steigen und in den Kurven noch da war. Selbst steuern wollte ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Aber nach der Landung war da ein leichtes Grinsen im Gesicht.
Beim dritten Schnupperflug fuhr ich bereits entspannter zum Flugplatz. Ich war gespannt, was der Start, die Kurven und die Höhe diesmal mit mir machen würden. Meine Höhenangst war nicht verschwunden, aber ich merkte: Da verändert sich etwas. Ganz langsam, aber spürbar.
Dann stand die große Frage im Raum: Fange ich wirklich mit der Flugausbildung an?
Ich fragte mich, ob ich meine Ängste überwinden kann. Ob ich irgendwann ein sicherer und souveräner Pilot werde. Ob ich ein Flugzeug alleine landen kann. Ob ich mir vorstellen kann, ganz ohne Fluglehrer durch die Lüfte zu fliegen. All diese Fragen gingen mir durch den Kopf.
Am Ende kam ich zu dem Entschluss: Ja, ich mache das.
Nicht, weil ich keine Angst mehr hatte. Sondern weil ich lernen wollte, mit ihr umzugehen. Weil man nur über sich hinauswächst, wenn man die eigene Komfortzone verlässt.
Im November meldete ich mich zur Ausbildung an. Da klar war, dass im Winter nicht mehr viele Flugstunden möglich sein würden, begann zunächst die Theorie: Online über das Lernportal der Flugschule und zusätzlich an Präsenztagen an den Wochenenden. Gleichzeitig blieb immer wieder diese Frage im Kopf: Schaffe ich das wirklich?
Als Mitte Februar das Wetter besser wurde, ging es endlich wieder in die Luft. Die erste Flugstunde nach der langen Pause fühlte sich zunächst fast wieder an wie ganz am Anfang. Ich fragte mich kurz, ob die Theorie, die Anmeldung und die ganze Entscheidung vielleicht doch ein Fehler gewesen waren. Aber dann kamen die nächsten Stunden. Flugstunde fünf, sechs, sieben – und mit jedem Flug wurde es besser.
Durch die Theorie verstand ich immer mehr, warum ein Flugzeug überhaupt fliegt, was es mit Aerodynamik auf sich hat und was passiert, wenn man die Steuerorgane bewegt. Ich bekam Vertrauen in die Maschine. Ich verstand, dass ein Flugzeug nicht einfach „vom Himmel fällt“, nur weil der Motor ausfällt. Ich lernte, dass hinter allem Verfahren, Technik und Training stehen.
Am Anfang gaben mir besonders die Instrumente Sicherheit. Wenn die Fluglage korrekt angezeigt wurde, konnte ich mich daran orientieren. Gerade bei Kurvenflügen oder Übungen konzentrierte ich mich sehr stark darauf. Von der Landschaft bekam ich in den ersten Stunden deshalb gar nicht so viel mit. Doch mit der Zeit wurde ich ruhiger. Ich schaute mehr nach draußen. Ich begann, das Fliegen nicht nur zu kontrollieren, sondern auch zu erleben.
Rückblickend würde ich sagen, dass ich etwa 15 Flugstunden gebraucht habe, um meine Höhenangst so weit zu kontrollieren, dass sie mich in der Ausbildung nicht mehr hinderte. Sie war nicht plötzlich weg. Aber sie bestimmte nicht mehr das Geschehen. Ich konnte starten, landen, Manöver fliegen und mich auf die Aufgabe konzentrieren.
Mit jeder Flugstunde wuchs das Vertrauen. Meine Fluglehrer merkten, dass ich sicherer wurde: in den Verfahren, im Umgang mit dem Flugzeug, beim Funken, in der Luftraumbeobachtung, beim Halten der Höhe, in den Kurven und natürlich bei den Landungen. Irgendwann war ich an dem Punkt, an dem ich mich auf jede Flugstunde freute – und enttäuscht war, wenn Krankheit oder Wetter einen Strich durch die Rechnung machten. Dann hieß es eben: Theorie lernen. Denn auch die Prüfungen standen an.
Natürlich verlief die Ausbildung nicht nur geradlinig. Es gab Höhen und Tiefen. Je mehr Flugstunden man sammelt, desto mehr Selbstvertrauen entsteht. Manchmal vielleicht sogar etwas zu viel. Dann kommt ein Tag, an dem das Wetter anders ist als gewohnt. Der Endanflug ist unruhig, der Wind macht das Halten der Höhe schwierig, die Kurven sind nicht sauber, eine Landung passt nicht und man muss durchstarten. Plötzlich merkt man wieder: Fliegen verlangt jedes Mal Respekt, Konzentration und klares Handeln.
Genau solche Tage sind wichtig. Sie holen einen auf den Boden zurück – im besten Sinne. Sie zeigen, dass jeder Flug anders ist und dass Überheblichkeit im Cockpit keinen Platz hat. Ausgerechnet diese Höhen und Tiefen machen die Ausbildung so wertvoll. Man wächst daran, fachlich und persönlich.
Dann kam der Tag, den wahrscheinlich jeder Flugschüler nie vergisst: der erste Alleinflug. Eigentlich begann alles wie eine normale Flugstunde. Wir flogen ein paar Übungen, anschließend einige Platzrunden. Nach der nächsten Landung sagte mein Fluglehrer, wir würden vor die Halle rollen. Ich ging die Checkliste durch, öffnete die Haube – und dann sagte er: „Ich steige jetzt aus. Du bleibst sitzen, machst die Haube wieder zu und fliegst noch ein paar Platzrunden.“ Ich fragte noch einmal nach: „Allein?“ Er sagte nur: „Ja. Du schaffst das.“ In diesem Moment schlägt das Herz schneller. Man ist angespannt, aufgeregt und gleichzeitig voller Vorfreude. Ich schloss die Haube, atmete tief durch und nahm die Checkliste für den Motorstart. Mit jedem Schritt wurde ich ruhiger. Die Abläufe waren bekannt. Die Verfahren saßen. Dann kam der Funkspruch: „D-EXSR, VFR, First Solo, Platzrunden.“ Ich rollte zur Piste 07. Ganz allein. Vor mir die Landebahn, dahinter der Horizont. Ich schob den Gashebel nach vorne, das Flugzeug beschleunigte, ich erreichte die Abhebegeschwindigkeit, zog langsam am Stick – und hob ab. Ich flog allein.
Dieses Gefühl ist kaum zu beschreiben. In der Platzrunde lief alles wie gelernt: Steigflug, Sicherheitshöhe, Konfiguration, Gegenanflug, Queranflug, Endanflug. Die erste Landung allein. Dann ein Touch-and-go. Nach drei guten Landungen überlegte ich kurz, noch eine vierte Platzrunde zu fliegen. Ich fühlte mich gut. Gleichzeitig merkte ich, dass die Konzentration nach den Übungen davor und den Solo-Platzrunden langsam nachließ. Die vierte Landung war in Ordnung, aber nicht mehr ganz so gut wie die davor. Also traf ich die Entscheidung, es dabei zu belassen. Keine fünfte Runde, nur um noch eine schönere Landung zu erzwingen. Abrollen, durchatmen, ankommen. Genau solche Entscheidungen lernt man in der Ausbildung. Nicht nur das Fliegen selbst, sondern auch das Reflektieren: Wann ist es gut? Wann ist es genug? Wann trifft man die sichere Entscheidung? Diese Momente bringen einen nicht nur als Pilot weiter, sondern auch als Mensch. Als ich zurückrollte, kamen die Glückwünsche vom Tower. Mein Fluglehrer lief zur Maschine, um ein Bild zu machen, bevor ich aussteigen konnte – als Erinnerung an meinen allerersten Alleinflug. Das Grinsen danach bleibt einem mehrere Tage im Gesicht. Und es dauert eine Weile, bis man wirklich begreift, was man da geschafft hat.
Beim Aero-Club Saarlouis e.V. hatte ich das Glück, mit allen drei Fluglehrern fliegen zu dürfen. Zusammen bringen sie über hundert Jahre Flugerfahrung mit. Jeder von ihnen hat seine eigene Art, seine eigenen Schwerpunkte und seine besondere Expertise. Genau das macht die Ausbildung dort so wertvoll: fachlich stark, menschlich, persönlich und immer mit einem offenen Ohr – auch abseits des Cockpits oder bei Fragen zur Theorie. Heute kann ich sagen: Die Entscheidung, die Privatpilotenlizenz zu machen, war eine der besten und besonderen Entscheidungen meines Lebens. Es gibt Tage, an denen ich daran zurückdenke und es immer noch kaum glauben kann. Ich habe in meiner Ausbildung mehr Landschaften, Städte und Flugplätze gesehen als in vielen Jahren zuvor. Fliegen macht die Welt kleiner – und den eigenen Horizont größer. Meine Reise zum Privatpiloten war geprägt von Respekt, Zweifel, Lernen, Rückschlägen, Erfolgserlebnissen und unvergesslichen Momenten. Vor allem aber hat sie mir gezeigt, dass viel mehr möglich ist, als man sich am Anfang zutraut. Wer weiß, vielleicht werde ich eines Tages selbst Fluglehrer oder sogar Verkehrspilot. Eines habe ich in diesen 365 Tagen gelernt: Es ist nichts unmöglich, wenn man es wirklich möchte – und wenn man den Mut hat, den ersten Schritt zu machen.