Wie bist du zur Fliegerei gekommen? Über Studium und Ausbildung an der HTW Saar Was fasziniert dich bis heute am Fliegen? Kein Flug ist wie der andere. Was war dein bisher besonderster Flug? “Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne” (H.Hesse): Mein erster Alleinflug. Was macht für dich eine gute Pilotenausbildung aus und wie würdest du die Ausbildung im Aero Club Saarlouis beschreiben? Stetige und Regelmäßig Trainingseinheiten, Standardisierung der Verfahren, gute Ausbildungshandbücher sowie individuelle Betreuung und Mentoring. Die Ausbildung im AeroClub Saarlouis ist familiär. Was sagen Menschen meistens nach ihrem ersten Flug? Muss man wirklich Münzen einwerfen dass der Motor weiterläuft? Fensterplatz oder Cockpit ? Cockpit Lieblingsroute ? Von A nach B (weltweit meist geflogen) Was darf in deiner Flugtasche niemals fehlen? Lizenz, Medical und gültiger Lichtbildausweis Pascal Boschetto (Fluglehrer PPL-A, LAPL-A), email: p.boschetto@gmx.net
Wie bist du zur Fliegerei gekommen? Ich hatte das Gen irgendwie im Blut, obwohl keiner in meiner Familiie irgendetwas mit der Fliegerei zu tun hatte. Ich war schon als kleiner Junge davon fasziniert, bekam mit 6 Jahren mein erstes Gummimotor-getriebenes Modellflugzeug zum Zusammenstecken, begann im Alter von 11. Jahren mit der „richtigen“ Modellfliegerei und mit 17 dann mit dem Segelfliegen. Was fasziniert dich bis heute am Fliegen? Es ist für mich eine der letzten verbliebenen Freiheiten, die wir Menschen haben, trotz aller strengen Vorgaben und Einschränkungen, z.B. mit durch die Luftraumstruktur. Was war dein bisher besonderster Flug? Da gibt es durchaus mehrere, aber ich würde sagen, mein erster richtiger Auslandsflug über eine große Distanz, das war 1991, als ich eine Morane von Saarbrücken ins spanische Fuentemilanos (nordwestlich von Madrid) überführt habe und die Navigation lediglich mit Karte, Kompass und Stoppuhr erfolgte, da in der Maschine nur ein Funkgerät eingebaut war und keine weiteren elektronischen Navigationshilfen (und GPS gab`s da noch nicht). Was macht für dich eine gute Pilotenausbildung aus und wie würdest du die Ausbildung im Aero Club Saarlouis beschreiben? Das Grundhandwerk des Fliegens zu trainieren, das 100%ige Verstehen, welche physikalischen Vorgänge am Flugzeug ablaufen, also warum es fliegt und wie es wann zu steuern ist, denn nur dann wird man ein sicherer Pilot werden. Die Ausbildung bei uns im Verein sehe ich auf sehr hohem Niveau, was daran gemessen werden kann, dass noch nie ein Flugschüler in den vergangenen Jahren durch eine Prüfung gefallen ist. Das nötige Handwerkszeug bekommen die Piloten bei unserer Ausbildung mit, die Sammlung der Erfahrung kommt nach dem Scheinerhalt, umso besser wenn viel geflogen wird, da die gesetzlichen Vorgaben zum Erhalt der Lizenz definitiv nicht ausreichen um ein guter und erfahrener Pilot zu werden. Was sagen Menschen meistens nach ihrem ersten Flug? Bis auf ganz wenige Ausnahmen habe ich eigentlich immer totale Begeisterung erlebt, auch von Menschen, die eigentlich vor dem Flug Flugangst hatten. Fensterplatz oder Cockpit ? Wenn immer möglich Cockpit! Lieblingsroute ? Schwer zu sagen, aber zum einen nach Ampuriabrava nach Spanien, bzw. Katalonien. Dort bin ich schon zigmal mit den unterschiedlichsten Flugzeugen hingeflogen, teils mit, teils ohne Zwischenlandung zum Tanken.Und der kurze „Hüpfer“ nach Idar-Oberstein zum Schwenkbraten Essen darf hier in der Liste definitiv nicht fehlen. Was darf in deiner Flugtasche niemals fehlen? Aktuelle Karten, auch von Regionen, in die ich an dem betr. Tag nicht hinfliege. Man könnte diese ja brauchen zum Planen des nächsten Ziels, sowie Ersatzbatterien für den Kopfhörer und mehrere Reserve-Kugelschreiber, falls gleich mehrere versagen. Oliver Henke (Cheffluglehrer und Prüfer(FE)) email: ohenke226@gmail.com
Wie bin ich zur Fliegerei gekommen? Mit 5 Jahren, 1965 im Frühjahr bin ich das erste mal geflogen, in Saarlouis-Roden auf dem Rodener Sand, dort wo heute die Autobahn A8 an den Ford-Werken vorbeiführt. Die Halle stand dort, wo heute die Autobahnauffahrt von Saarwellingen ist, ganz in der Nähe der beiden die Autobahn kreuzenden Hochspannungsleitungen. Flugplatz Saarlouis-Roden (Rodener Sand) um 1965: Im Vordergrund die beiden Hallen, im Hintergrund die Dillinger Hütte. Der Flug wurde von Herbert Kuntz, einem späteren Fluglehrer von mir, in einem Fieseler Storch durchgeführt. Er hatte seine Fliegerei vor dem 2. Weltkrieg bei der damaligen Luftwaffe begonnen. Nach dem allerersten Flug mit der Fi156 Fieseler Storch. Laut meinem Vater wollte ich unbedingt über die Wolken, die es an diesem Tag leider nicht gab! Seitdem war der Blick bei jedem Geräusch eines Flugzeuges am Himmel verfangen! Dort sah ich oft ein Flugzeug mit Bannerwerbung für Karlsbergbier, das in meinem späteren Leben noch eine Rolle spielen sollte! Ich habe dann das Erlebnis im Nachbau des Fieseler Storches aus Pappkarton und Mehlpappe als Kleber verarbeitet. Der echte Fieseler Storch hängt heute im Berliner Technik-Museum. Weil keine weitere Beschäftigung mit der Fliegerei als Fünfjähriger möglich war, geriet das Ereignis langsam in Vergessenheit. Zur 1. Heiligen Kommunion bekam ich viele Bücher geschenkt, die ich fleißig las. Abenteuergeschichten für Kinder, die fesselten, die wir Kinder auf der Straße nachspielten oder erfanden. Kurzum, die Bücher waren irgendwann alle gelesen, es musste Nachschub her. Meine Eltern schickten mich zur Pfarrbücherei St. Johann in Dillingen und dort stieß ich auf das Buch „Der Adler von Basingstoke“! Das Buch handelte von einem jungen Segelflieger und seinen Abenteuern. Da war doch was! Der Virus war wieder aktiv. In der Dillinger Stadtbücherei fand ich eine große Abteilung aller möglichen Luftfahrtliteratur, die ich alle las. Zu der Zeit war ich 11 bis 12 Jahre alt. Irgendwann beim Lesen kam die Frage auf, warum nur lesen, warum nicht selbst machen. Damals wie heute konnte man mit 14 Jahren das Segelfliegen beginnen. Das war doch ein Ziel, ein abenteuerliches Ziel. Irgendwann in dieser Zeit steckte mir mein Vater, dass im Dillinger Stadtteil Diefflen ein Segelfluggelände am Entstehen ist. Das war so Ende 1972. Mit dem Fahrrad durch den Hüttenwald, war das Segelffluggelände gut erreichbar. Für die Aufnahme in den Verein fehlte noch die Zusage der Eltern und Geld, was damals in unserer Familie nach Bau und Bezug eines 2-Familienhauses recht knapp war. Das Segelfluggelände im Sommer 1975. Mein erstes Foto vom Flugbetrieb, damals noch als Zuschauer! In der Folgezeit half ich meinem Vater 4 Garagen zu bauen, von deren Vermietung der Erlös einer Garage für meine Fliegerei bestimmt sein sollte. Leider gab es dann 2 Jahre hintereinander Unfälle, durch die immer wieder die Erlaubnis der Eltern zurückgezogen wurde. Nach viel Überzeugungsarbeit meinerseits war es dann am 27. April 1975 endlich soweit, ich konnte es selbst nicht fassen. Nach fast 3 Jahren Warten, Hoffen, Sehnen machte ich an diesem Tag meinen ersten Schulstart in unserer K7, D-0047, einem Tandem-Segelflugdoppelsitzer! Erste Schulstarts auf K7. Das Cockpit der K7. Am 24. August 1975 machte ich dann meinen ersten Alleinflug im Alter von 15 Jahren. Fertigmachen zum ersten Alleinflug. Nach dem Alleinflug: Heftige Schläge aufs Zentrum des fliegerischen Gefühls. Ganz links: Stolz und soooo glücklich! Was fasziniert mich bis heute an der Fliegerei? Die Perspektive Hoch oben, über allem zu Schweben und immer wieder etwas Neues zu entdecken, verbindet einen sehr stark mit der Heimat. Ich mache das nun über 50 Jahre und es ist mir noch nie langweilig dabei geworden! Die Perspektive ändert sich täglich durch eine andere Flughöhe, durch die tageszeitliche Beleuchtung, durch Wolken, gute Flugsichten, schlechte Flugsichten usw., das Gefühl, den Steuerknüppel in alle Richtungen bewegen zu können, das ist nur in der Dreidimensionalität des Fliegens möglich! Die Selbstreflektion Ich bin im Cockpit immer gezwungen, meine eigenen Entscheidungen zu reflektieren, um daraus zu lernen, wie ich es das nächstemal besser machen könnte. Dabei spielen auch eigene Ängste eine große Rolle, die überwunden werden wollen mit dem breiten Hintergrundwissen aller die Fliegerei betreffenden Fachgebiete und der fliegerisch aufgebauten Erfahrung! Die Freiheit Sie beginnt erst, sobald die Cockpithaube geschlossen ist und der Pilot abgeschirmt von allen äußeren Einflüssen, sich in die Luft begibt und nur seiner eigenen Verantwortung verpflichtet, alle Erdfesseln hinter sich lässt. Das Glück Viele haben versucht, das Glück des Fliegens in Worte zu fassen, wenigen ist es gelungen. Dazu zähle ich Reinhard May und Richard Bach. Reinhard fasst es wunderbar in seinem Lied „Über den Wolken“ mit den Worten zusammen: „Über den Wolken Muss die Freiheit wohl grenzenlos sein. Alle Ängste, alle Sorgen sagt man Blieben darunter verborgen und dann Würde was uns groß und wichtig erscheint Plötzlich nichtig und klein.“ Im Lied kommt auch die Sehnsucht zur Sprache, die Piloten von Zeit zu Zeit erfasst, wenn sie längere Zeit fliegerisch abstinent bleiben mussten! Oft dann, wie ich selbst, fast unausstehlich werden, bis sie wieder eine Dosis Fliegen abbekommen haben. Fliegen ist nun mal kein Hobby, sondern eine Leidenschaft…… Was macht für mich eine gute Pilotenausbildung aus und wie würde ich die Ausbildung im Aero Club Saarlouis beschreiben? Zu einer guten Ausbildung sind eine ganze Reihe von Punkten entscheidend: - Wir legen größten Wert auf die Vermittlung von sehr gutem fliegerischem Handwerk! - Dabei achten wir auf eine der Persönlichkeit jedes einzelnen Flugschülers angepasste Ausbildung. Die Menschen sind grundverschieden, vom Alter her, von der vorhandenen Lebenserfahrung, vom Typus her. Die/der Eine ist forsch, die/der Andere ist introvertiert. Diese Aspekte müssen in der Ausbildung berücksichtigt werden!- Wir erziehen zu selbstständigen und verantwortbaren Entscheidungen. - Wir fordern selbstkritische Reflektion von vorausgegangenen Entscheidungen. - Jeder Flug hat ein vorher gestecktes Übungsziel, das es zu erreichen gilt, auch nach Lizenz-Erhalt! Nur so kann man eine gute Pilotin bzw. ein guter Pilot werden! - Die Flugsicherheit ist oberstes Gebot, während der Ausbildung wie auch nach Lizenzerhalt! Das geschieht dann durch Weiterbildung, aus Literatur und Unfallberichten. - Wir vermitteln Good Airmenship, also vorbildliches Handeln im fliegerischen Alltag. All diese Gesichtspunkte werden im Aero-Club Saarlouis während der Flugausbildung vermittelt! Was war mein bisher besonderster (schönster) Flug ? Das war mit Sicherheit mein erster Alleinflug. Es gab danach noch weitere ganz besondere Flüge. Aber an Intensität und Emotionalität bleibt er unübertroffen! Wenn klar ist, dass du jetzt alleine fliegen sollst, sozusagen ohne Backup des Fluglehrers, dann spielen die Emotionen Achterbahn. Ich hatte richtige Angst, was da auf mich zukommt. Sobald aber die Kabinenhaube geschlossen war und meine Routinen einsetzten, war ich die Ruhe und Beherrschtheit selbst. Das ist heute immer noch so! Was sagen Menschen meistens nach ihrem ersten Flug? - War gar nicht so tragisch. - Ach war das so schön, nochmal. - So schön habe ich mir das nicht vorgestellt, jetzt verstehe ich euch Flieger! Fensterplatz oder Cockpit? Wenn ich ins Cockpit darf, steht das an erster Stelle, ansonsten bin ich mit einem Fensterplatz zufrieden! Lieblingsroute? An erster Stelle steht das Fliegen über und um meine fliegerische Heimat, dem Segelfluggelände Dillingen-Diefflen und dem Saarland! Aber ganz Deutschland hat herrliche Landstriche, die immer wieder ein Erlebnis sind. Was darf in deiner Flugtasche niemals fehlen? Eine Flasche Wasser, eine Fliegerkappe gegen die Sonne und eine Spuktüte (für Fluggäste, kommt jedoch sehr selten zum Einsatz). Bernhard Gross (Fluglehrer, PPL-A, LAPL(A)), email: bernhardjv.gross@gmail.com
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